MFG Talente-Tag: IT kann Leben retten

Stuttgart | 17.04.2013 | MFG Talente-Tag, KSS, Wettbewerb
Die Jury und Gewinner des MFG Talente-Tags Die Jury und Gewinner des MFG Talente-Tags (Bild: Klaus Oppermann)

In nur sechs Minuten zum Erfolg: Beim MFG Talente-Tag haben die aktuellen Karl-Steinbuch-Stipendiaten ihre Forschungsprojekte in kurzen Pitches Entscheidungsträgern aus Forschung und Entwicklung, Vertretern der Hochschulen und Industrie vorgestellt. Ob ein 3D-Spiel für Blinde, das den Raum hörbar macht, ein Bild-Vergleichsprogramm für die Computertomografie oder eine neuartige Alternative zu Touchscreen und Maus – das Themenspektrum der mit dem Karl-Steinbuch-Stipendium (KSS) geförderten Projekte war vielfältig.

Im Anschluss an die Vorträge hatte die Jury aus IT-Experten, Unternehmern und KSS-Alumni die schwierige Aufgabe aus allen Beiträgen die besten drei auszuwählen, die jeweils mit dem MFG Talente-Preis gekürt wurden. Entscheidende Kriterien waren hierbei der Innovationsgrad der Arbeit, der wissenschaftliche oder künstlerische Wert der Projektidee sowie die Präsentation der Stipendiaten. Außerdem gab es erstmals auch einen Publikumspreis. Über den stimmten die Besucher nach den Pitches per Online-Voting ab.

Matthias Hillert (l.-r.) und Pascal Laube mit Moderator Christian Förster auf der Bühne Matthias Hillert (l.-r.) und Pascal Laube mit Moderator Christian Förster auf der Bühne (Bild: Klaus

Medizinische Informatik: ImageIndex Radiology

Gewinner des Abends war das Projekt „ImageIndex Radiology“, das an der Schnittstelle von Medizin und Informatik ansetzt. Matthias Hillert und Pascal Laube von der Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung erhielten nicht nur einen der drei MFG Talente-Preise, sondern auch den Publikums-Award. Das Projekt soll Ärzte bei der Auswertung von radiologischen Aufnahmen unterstützen. Denn obwohl die Computertomografie (CT) aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken ist, basieren viele Befunde nach wie vor auf Büchern. Deshalb haben die beiden Informatik-Studenten ein Programm entwickelt, mit dem man weltweit aktuelles CT-Bildmaterial vergleichen kann.

Für die Jungforscher sind die Auszeichnungen nicht nur eine große Ehre und Überraschung, sondern auch ein Ansporn. „Wir sind begeistert, dass unsere Idee so gut ankam. Das pusht uns natürlich total“, sagt Pascal Laube. „Vielleicht publizieren wir jetzt doch noch unsere Projekt-Ergebnisse“, überlegt er laut. Denn das haben sie bisher noch nicht getan. Ein weiterer Erfolg für die beiden ist, dass während des Talente-Tags ein Vertreter eines großen Unternehmens der feinmechanischen und optischen Industrie Interesse an ihrer Arbeit bekundete.

Andreas Krings erklärt sein Medizin-Projekt. Andreas Krings erklärt sein Medizin-Projekt. (Bild: Klaus Oppermann)

Gesundheits-Projekt für Afrika überzeugt

Aber die beiden Jungforscher haben nicht alleine das Publikum für sich gewonnen. Auch Andreas Krings von der Universität Heidelberg konnte sich freuen. Für seine Idee stimmten genauso viele Besucher wie für „ImageIndex Radiology“. Sein Projekt dient der „Entwicklung und Integration eines Partographen in ein bestehendes clinical decision support system zur Schwangerenversorgung im ländlichen Afrika“. Es handelt sich also um ein Programm, dass anhand von Symptomen auf mögliche Komplikationen bei einer Schwangerschaft oder bei einer Geburt hinweist. Getestet wird es derzeit in afrikanischen Gebieten, wo über 100.000 Menschen auf einen Arzt kommen.

„Ich habe mit dem Preis wirklich nicht gerechnet, weil das Thema doch sehr speziell ist“, sagt Andreas Krings. „Und natürlich auch wegen der großen Konkurrenz.“ In diesem Jahr haben sich insgesamt 13 Projekte in sechsminütigen Kurzvorträgen präsentiert, gegliedert in die fünf Themenblöcke Visualisierung/ Interaction, Games/ Animation, Natur/ Mechanik, Künstliche Intelligenz und Medizin

Christopher Hempel (oben) und Jendrik Seipp bei ihren Pitches Christopher Hempel (oben) und Jendrik Seipp bei ihren Pitches (Bild: Klaus Oppermann)

Lösung von Planungsproblemen und Echtzeitanbindung von Kamerabildern

Die beiden anderen Jury-Preise haben Jendrik Seipp von der Universität Freiburg mit seinem Projekt „Abstraction Refinement für klassische Planungsprobleme“ und Christopher Hempel von der Filmakademie Baden-Württemberg mit seiner „Echtzeitanbindung des Kamerabildes innerhalb einer DCC Anwendung am Drehort“ erhalten.

Beide Gewinner freuen sich über die Auszeichnung und blicken zufrieden auf das Karl-Steinbuch-Stipendium zurück, das ihnen die Forschung erst ermöglichte. „Das Stipendium hat enorm dabei geholfen, das Projekt durchzuziehen“, betont Jendrik Seipp. „Jeder Student der einen ITK- und Kreativ-Bezug hat, sollte sich bewerben“, fügt Christopher Hempel hinzu.

Gernot Haug Gernot Haug (Bild: Klaus Oppermann)

IT.TEM stiftet MFG Talente-Preis für die Top 3

Die interdisziplinär orientierten Karl-Steinbuch-Stipendiaten kommen aus den verschiedensten Fachrichtungen, denn kreative Querdenker sind in Baden-Württemberg gefragt. Gemeinsam ist den talentierten Nachwuchsforschern eine hohe Motivation, der Bezug zur ITK- und Kreativwirtschaft und dass sie ihre Forschungsprojekte parallel zum Studium durchführen – das sind die Vorgaben der MFG Stiftung Baden-Württemberg, die das Stipendium vergibt.

Gestiftet wurde das Preisgeld des MFG Talente-Preises in diesem Jahr wieder von der IT.TEM GmbH aus Stuttgart. In der Jury saß auch Gernot Haug, einer der beiden Geschäftsführer des Consulting-Unternehmens. „Junge Menschen mit der Fähigkeit kreativ zu denken sind für den Innovationsprozess ungeheuer wertvoll. Sie stellen die Basis für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft dar“, erklärt er das Engagement der Firma. „Wir möchten die Zukunft mitgestalten und unterstützen deshalb die MFG Stiftung bei der Förderung von Spitzentalenten aus dem IT- und Kreativbereich.“

Die Gewinner des BW-Goes-Mobile Awards mit Alexandra Rudl (r.) Die Gewinner des BW-Goes-Mobile Awards mit Projektleiterin Alexandra Rudl (r.) (Bild: K. Oppermann)

Zugang zu Forschungsergebnissen des Hochschulnachwuchses

Der MFG Talente-Tag ermöglicht es Entscheidungsträgern aus Forschung und Entwicklung, Vertretern der Hochschulen sowie Studierenden, sich aus erster Hand über aktuelle Trends der ITK- und Kreativwirtschaft zu informieren und die Köpfe hinter IT-basierten Innovationen kennenzulernen. Gleichzeitig können sich hier interessierte Studierende über die Talentförderprogramme der MFG informieren. Neben den Karl-Steinbuch-Stipendiaten haben sich in einer Interviewsession auch die Gewinner des landesweiten Entwickler-Wettbewerbs „Baden-Württemberg Goes Mobile“ vorgestellt.

Eine frühzeitige Unterstützung talentierter Studierender und ihre Vernetzung mit der Wirtschaft sind in Zeiten von demografischem Wandel und Fachkräftemangel zur Notwendigkeit geworden. Deswegen unterstützt das Karl-Steinbuch-Stipendium motivierte Nachwuchsforscher bei der Umsetzung von Projekten an der Schnittstelle von ITK- und Kreativwirtschaft mit anderen Fachbereichen. Ganz im Sinne des Open-Access-Konzepts ermöglicht der MFG Talente-Tag freien Zugang zu spannenden Forschungsergebnissen.

Das Karl-Steinbuch-Stipendium

Das Karl-Steinbuch-Stipendium wird bereits seit 2004 von der MFG Stiftung vergeben. Mit dem Stipendium werden kreative und innovative Projekte mit IT- oder Medien-Bezug aus allen Fachrichtungen gefördert, die Studierende neben ihrem Studium durchführen. Die Projekte müssen entweder ein Forschungsziel haben oder einen künstlerischen Wert aufweisen. Neben Projekten aus der Informatik und den Medienwissenschaften sind insbesondere interdisziplinäre Ideen gefragt, welche die beiden Querschnittsbereiche mit anderen Fachwissenschaften verbinden.

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Autoren: Ines Goldberg/ Roswitha Volk
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