Spannende Forschungsergebnisse und glückliche Gewinner

Stuttgart | 02.04.2014 | MFG Talente-Tag 2014: Von Serienhelden mit Alltagsproblemen und Botenstoffen im Immunsystem
Die glücklichen Gewinner des Talente-Tag mir der Jury und Maren Osterlitz (r.) Die glücklichen Gewinner des Talente-Tag mir der Jury und Maren Osterlitz (r.) (Bild: Martin Goller)

Zehn Forschungsprojekte, je sechs Minuten Zeit zum Pitchen und vier Gewinner – beim MFG Talente-Tag am 27. März 2014 im Literaturhaus Stuttgart präsentierten die Karl-Steinbuch-Stipendiaten der MFG Stiftung ihre Projektergebnisse aus  einem Jahr Forschung. Eine Expertenjury zeichnete die überzeugendsten drei Projekte mit dem MFG Talente-Preis aus. Darüber hinaus war die Meinung der anwesenden Gäste gefragt, per Online-Voting wähten sie ihren persönlichen Favoriten. Udo Glanz von der Pädagogischen Hochschule Freiburg gewann den Publikumspreis.

Mit seinem Projekt möchte er Kurzfilme besser in die Bildungsarbeit einbinden und entwickelte dafür eine Online-Plattform. Mit seinem Kurzfilmkanon soll eine Brücke zwischen innovativen, aber unübersichtlichen Crowdsourcing-Seiten, anspruchsvollen, aber geschlossenen Expertenforen und klar strukturierten, aber starren Redaktionsseiten geschlagen werden. Die Internet-Plattform dient vor allem Lehrern als Basis, um Kurzfilme besser in die Bildungsarbeit zu integrieren, und soll langfristig zu einer neuen Diskurskultur führen.

Udo Glanz ist selbst Lehrer und freut sich über die Auszeichnung. „Es ist Wahnsinn, überhaupt das Stipendium bekommen zu haben und hier zu sein“, sagt er. Mit dem Preis hat er nicht gerechnet. Sein persönlicher Favorit war das Projekt von Markus Hoffmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der sich mit Big Data im Forschungslabor beschäftigt hat, um wissenschaftliche Bilddaten schneller verarbeiten zu können.

Udo Glanz (l.) freut sich über die Urkunde, die er von Christian Förster & Maren Osterlitz bekommt Udo Glanz (l.) bekommt seine Urkunde von Christian Förster und Maren Osterlitz. (Bild: Goller)

Plattform zum Austausch bieten

„Dass die Stipendiaten erfahren, wie sich die Projekte ihrer Mitstipendiaten entwickelt haben und sie sich über ihre Ergebnisse austauschen, ist auch ein Ziel vom Talente-Tag“, sagt Maren Osterlitz, Projektleiterin für Talentförderung bei der MFG. „Außerdem wollen wir nicht, dass die Stipendien einfach im Stillen abgeschlossen werden. Deshalb ist es uns wichtig, dass die Ergebnisse in einem feierlichen Rahmen vorgestellt und dementsprechend gewürdigt werden. Schließlich haben unsere Talente zwölf Monate mit Engagement und Herzblut an ihren Projekten gearbeitet und schaffen, damit das Fundament für zukünftige, innovative Forschungsvorhaben“, fügt sie hinzu. 

Die Jury war sich nach intensiver Beratung schnell einig. Sie wählte die Projekte „Helden des Alltags“, „AFFINE – Ein netzwerkanalytischer Ansatz zu Entdeckung prägnanter Merkmale von cinematischen Meilensteinen“ und „Boolsche Netzwerke zur systembiologischen Modellierung der Interleukin-21 Rezeptor Signalings“ zu den drei Gewinnern des Talente-Tags 2014.

„Ausschlaggebend bei der Entscheidung waren die Umsetzung des Projekts sowie der Innovationsgrad der Ergebnisse, der wissenschaftliche beziehungsweise der künstlerische Wert der Idee und die Präsentation der Projektergebnisse“, sagt Jürgen Jähnert, Jurymitglied und Leiter der Unit für ITK- und Wissensnetze bei der MFG. „Außerdem möchten wir mit den Preisen möglichst die ganze Themenbandbreite des Stipendiums wiederspiegeln“, erklärt er. So kommen die drei Gewinner-Projekte aus den Themenblöcken Animation, künstliche Intelligenz und Medizin. Die beiden weiteren Forschungsbereiche dieses Stipendiatenjahrgangs waren Interaktive Medien und Film.

Alltagstaugliche Helden: die fünf Supermänner und -frauen aus der Sitcom „Helden des Alltags“ Die fünf Freunde wachen plötzlich mit Superkräften auf. (Bild: Filmakademie/ Daniel Rübesam)

Animation: Helden des Alltags

Einer der Preise ging an das Filmprojekt „Helden des Alltags“ aus der Kategorie Animation. Es erzählt die Geschichte einer Studenten-WG, die über Nacht Superkräfte bekommt. Die Mittzwanziger merken allerdings, dass ihre neuen Fähigkeiten im Alltag eher hinderlich sind und wären sie bald lieber wieder los.

Daniel Rübesam, Stefanie Ren und Hanna Kaesemann von der Ludwigsburger Filmakademie Baden-Württemberg haben den Film über Anderssein, Liebe, Freundschaft und Superkräfte umgesetzt, der als Sitcom-Pilot angelegt ist.

Grafik: Filme, auf die häufig verwiesen wird, sind tendenziell wichtiger. Filme, auf die häufig verwiesen wird, sind tendenziell wichtiger. (Bild: Horvát/ Spitz)

Künstliche Intelligenz: Cinematische Meilensteine

Die Forschungsarbeit „AFFINE – Ein netzwerkanalytischer Ansatz zu Entdeckung prägnanter Merkmale von cinematischen Meilensteinen“ kommt aus dem Block künstliche Intelligenz. Hierbei geht es Andreas Spitz und Emöke-Ágnes Horvát nicht so sehr um Filme, die das Publikum liebt oder die die Kritiker loben.

Wenn sie von „Meilensteinen der Filmgeschichte“ sprechen, meinen sie vielmehr Werke, die innerhalb der Filmbranche besonders einflussreich sind und die deshalb von anderen Filmemachern besonders häufig zitiert, neu aufgelegt, parodiert oder weitergeschrieben werden. Dieses komplexe Netzwerk haben die Nachwuchsforscher der Uni Heidelberg durch eine systematische, auf der Graphentheorie basierende Analyse untersucht.

Grafik: Boolsche Netzwerke zur systembiologischen Modellierung des Interleukin-21 Rezeptor Signaling Netzwerke zur systembiologischen Modellierung des Interleukin-21 Rezeptor Signalings (Grafik: Ficht)

Medizin: Zusammenspiel von körpereigenen Botenstoffen

Im medizinischen Bereich ist das Projekt von Xenia Ficht von der Universität Ulm angesiedelt. In ihrer Arbeit untersucht sie die „Boolschen Netzwerke zur systembiologischen Modellierung der Interleukin-21 Rezeptor Signalings“. Interleukine sind Botenstoffe im Immunsystem und aktivieren die körpereigene Abwehr.

Im Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen können sie aber auch selbst Krankheiten wie im schlechtesten Fall Multiple Sklerose auslösen. Ziel des Projektes war, diese Interaktion der Botenstoffe zu untersuchen und einen weiteren Beitrag zur Immunologie-Forschung zu leisten.

BW Goes Mobile stellt sich vor

Die Preise wurden – wie schon in den vergangenen vier Jahren – von der IT.TEM GmbH aus Stuttgart gestiftet. „Indem sie Spitzentalente aus dem IT- und Kreativbereich fördert, schafft die MFG Stiftung hervorragende Voraussetzungen für den Hightech-Nachwuchs im Land, den wir dringend brauchen“, sagt IT.TEM-Geschäftsführer Gernot Haug. „Um hier ein Stück Zukunft mitzugestalten, stiften wir die MFG Talente-Preise."

Zwischen und nach den Vorträgen standen die Stipendiaten für ein Gespräch bereit. In der Networking-Ecke konnte man zudem Mentoren und Teilnehmer des BW Goes Mobile Award 2013 kennenlernen und mobile Geschäftsideen diskutieren – und gegebenenfalls sogar noch einreichen.

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Autorin: Roswitha Volk
Mehr Infos:

MFG Stiftung Baden-Württemberg
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