„Der Innovator und seine Idee stehen im Mittelpunkt“
13.04.2011 | Heidelberger Innovationsforum, Matchmaking, Erfolgsgeschichten
Wie kommen IT-Gründer in nur acht Minuten an potenzielle Investoren? Sie stellen ihre Geschäftsideen auf dem Heidelberger Innovationsforum vor. Das Matchmaking-Event fand dieses Jahr am 12. April 2011 bereits zum zehnten Mal statt. Die Veranstalter Klaus Haasis, Geschäftsführer der MFG Baden-Württemberg, und Prof. Dr. Andreas Reuter, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Direktor der European Media Laboratory GmbH, sprechen im Interview über Mehrwert und Erfolgsgeschichten des Formats.
Was unterscheidet das Heidelberger Innovationsforum von anderen Angeboten?
Klaus Haasis: Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, die den Kapitalgebern ein fertiges Unternehmen anbieten möchten, setzen wir früher an. Wir wollen den Erstkontakt zwischen den Innovatoren und dem Markt herstellen und sie mithilfe von Coachings und Vernetzungsstrategien auf ihrem Weg begleiten. Der Innovator und seine Idee stehen im Mittelpunkt. So bieten wir Investoren und Entscheidern aus der Industrie nicht nur profitable Investments, sondern auch einen Ausblick auf die Produkte und Dienstleistungen von Morgen.
Prof. Dr. Andreas Reuter: Wir versuchen die Forscher, die Entwickler, die Verwerter und die Financiers so miteinander in Kommunikation zu bringen, dass ein möglichst effektiver Ideen-Transfer erfolgen kann. Das bedeutet: Präsentationsschulung für die „Anbieter“, klare Struktur der Vorstellungen, in acht Minuten auf den Punkt kommen – und immer konkret auf die mögliche Anwendung abheben.
Für wen eignet sich das Format besonders gut?
Reuter: Das Format eignet sich für alle, die eine aktive Rolle bei der Gestaltung von (technischen) Innovationsprozessen spielen bzw. spielen möchten. Da alle oben schon genannten Rollen benötigt werden, muss das Format auch für alle attraktiv sein.
Haasis: Durch die Themenschwerpunkte bei jedem Forum können wir eine große Anzahl von Fachleuten zur Teilnahme motivieren. Der Austausch zwischen den Forschern, Gründern und Entscheidern ist dann natürlich sehr dicht und die Kontakte können über Jahre genutzt werden. Verbunden mit dem hochklassigen Ambiente und den hochrangigen Keynotes ist die Veranstaltung vor allem für die Entscheidungs- und Leitungsebene in Unternehmen interessant. Knapp die Hälfte der Teilnehmer kommt aus der Unternehmensführung. Damit ist gewährleistet, dass die Veranstaltung einen wirklichen Einfluss auf die Strategien der IKT- und Kreativbranche hat.
Welche Erfolgsgeschichte haben Sie noch in lebendiger Erinnerung?
Reuter: Die Projekte von Bernhard Wirnitzer, Professor an der benachbarten Hochschule Mannheim. Er hat mit seinem Team eine Technologie entwickelt, die den „Fingerabdruck“ des Papiers dazu nutzt, Dokumente vor Fälschungen schützen.
Haasis: Zum Beispiel die der Averbis GmbH: den Gründer, Philipp Daumke, hatten wir zuvor bereits mit dem Karl-Steinbuch-Stipendium gefördert. Auf dem Heidelberger Innovationsforum lernte er dann einen Coach der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Conntected – bwcon – kennen und die Idee der Ausgründung entstand. Mittlerweile ist das Unternehmen erfolgreich am Markt.
Auch die Erfolgsgeschichte von Heidelberg Mobil International (HDM-I) ist mir in guter Erinnerung. Die Forscher um HDM-I gehörten damals zu den ersten Teilnehmern des Forums. Zuerst wurde die Technologieinnovation vorgestellt, dann haben das EML und die MFG die Ausgründung begleitet. Vor zwei Jahren konnten wir HDM-I dann zu unserem Schwesterforum in Kanada, dem „New Brunswick Innovation Forum“, entsenden. Mittlerweile hat das Unternehmen einige Kunden in der Region New Brunswick.
Hinweis: Erste Eindrücke vom diesjährigen Heidelberger Innovationsforum haben wir auf Flickr zusammengestellt. Der ausführliche Nachbericht zum Matchmaking-Event folgt kommende Woche.