Heidelberger Innovationsforum: Kapital, Know-how und Kontakte für marktnahe IT-Geschäftsideen
03.03.2011 | IT-Technologien, Geschäftsideen, Matchmaking
Wie kommen IT-Gründer in nur acht Minuten an ein Millioneninvestment? Wie finden Forscher und Entwickler aus Unternehmen sowie aus Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen die richtigen Kontakte, um ihre IT-Lösungen fit für den Markt und die Anwender zu machen? Dieser Herausforderung widmet sich seit 2005 das Heidelberger Innovationsforum. Im Studio der traditionsreichen Villa Bosch treffen Start-ups und Forscher auf Entscheider aus der Wirtschaft und Finanzwelt zum sogenannten Matchmaking.
Forschen und Erfinden, Businessplan erstellen sowie Kapital beschaffen – und erst dann schauen, wie der Markt auf das Angebot reagiert. Nach diesem Schema handeln auch heute noch viele Forscher und Entwickler. Die Folge: Trotz hervorragender Technologien und Forschungsergebnisse scheitern viele am entscheidenden Schritt der Kommerzialisierung ihrer Geschäftsideen – sei es durch eine Unternehmensgründung oder durch den Verkauf ihrer Technologien. Das richtige Geschäftsmodell zu finden ist ein steiniger Weg, auf dem viele gute Ideen auf der Strecke bleiben. Das gilt insbesondere für die IT, die zwar als Querschnittstechnologie nahezu alle Anwenderbranchen revolutioniert hat, aber für die Finanzwelt oft nur schwer greifbar bleibt.
IT-Technologien auf den Markt bringen
Die MFG Baden-Württemberg, Innovationsagentur des Landes für IT und Medien, kennt diese schwierige Gründungsfrühphase nur zu gut. „Wir wollen verhindern, dass wichtige IT-Technologien und -Ideen in den Schubladen von Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen verstauben“, erklärt Christof Lechner, Projektleiter für Technologietransfer bei der MFG. Neue IT-Lösungen und Geschäftsideen ans Tageslicht zu fördern und marktreif zu machen – dafür gibt es seit 2005 das Heidelberger Innovationsforum im Studio der traditionsreichen Villa Bosch.
Der Kerngedanke ist so einfach wie bestechend: Die Veranstaltung bildet eine Brücke zwischen Entwicklung und Forschung auf der einen sowie Wirtschaft und Kapital auf der anderen Seite. Dadurch entsteht eine solide Plattform, um innovative Geschäftsideen vorzustellen, zu prüfen und zu kaufen.
Substanzielle Geschäftsideen und Technologien im Schnelldurchlauf
In zwei parallelen Panels konkurrieren jeweils rund 20 Geschäftsideen und Technologien um die Aufmerksamkeit des Publikums. „Die Referenten müssen rasch auf den Punkt kommen, jede Präsentation ist auf acht Minuten begrenzt“, beschreibt Christof Lechner das sogenannte Speed-Dating-Format.
So können die anwesenden Wirtschaftsvertreter und potenziellen Investoren innerhalb kürzester Zeit abschätzen, welche Forschungsbereiche und -ergebnisse ins eigene Entwicklungs- und Finanzierungsportfolio passen. Zeit und Raum für die individuelle Kontaktaufnahme bietet die begleitende Foyerausstellung, in der alle präsentierten Ideen ausführlich demonstriert werden.
Jedes Forum widmet sich dabei einem eigenen Themenschwerpunkt – vorgestellt wurden in der Vergangenheit Lösungen aus den Bereichen von E-Engineering, E-Health oder Visual Computing. Der verbindende Rahmen: IT-Technologien und Lösungen für die verschiedensten Anwenderbranchen.
Vom Kontakt zu Kapitalanlegern bis hin zu länderübergreifenden Kooperationen
Auf den vergangenen Veranstaltungen haben über 325 Forscher, Entwickler und Unternehmensgründer aus 10 Ländern ihre Ideen vorgestellt. Mehr als die Hälfte von ihnen konnte viel versprechende Kontakte zu Entscheidern aus der Industrie- und Investorenszene knüpfen. Etwa 20 Prozent dieser Kontakte mündeten inzwischen in erfolgreiche Gründungen, Entwicklungskooperationen oder Lizenzierungen. Das entspricht einer Erfolgsbilanz von 10 Prozent.
Erfolg hatte auch Albert Schaeffer von der BioSkill GmbH. Im April 2008 präsentierte er auf dem Heidelberger Innovationsforum seinen medizinischen Ausbildungssimulator – und kam mit interessierten Investoren ins Gespräch, mit denen er derzeit noch in Verhandlung steht. Neben dem Kontakt zu Kapitalanlegern zielt das Veranstaltungsformat aber auch darauf ab, die Lizenzierung von Technologien sowie mögliche Forschungs- und Entwicklungskooperationen auf den Weg zu bringen.
Wie die länderübergreifende Partnerschaft der Unternehmen Conante und Thisplay. Im Oktober 2009 traf der Gosheimer Stefan Rapp von der Firma Conante auf Emanuel Andel vom österreichischen Unternehmen Thisplay. Damit war der Grundstein für eine Kooperation gelegt: Die beiden Firmen bieten komplementäre Technologien an, die sie nun teilweise auch gemeinsam vermarkten.
Heidelberger Innovationsforum feiert Jubiläum
Am 12. April 2011 feiert das Heidelberger Innovationsforum ein kleines Jubiläum: Bereits zum zehnten Mal organisiert die MFG das Matchmaking-Event gemeinsam mit dem von SAP-Gründer Klaus Tschira geförderten European Media Laboratory (EML).
Im Fokus der Jubiläumsveranstaltung stehen Geschäftsideen und Lösungen aus dem Bereich der „Immersive Technologies“. Damit widmet sich das Forum einer Weiterentwicklung von Virtual Reality-Technologien. Vorgestellt werden neuartige Produkte und Dienstleistungen, welche die Grenzen zwischen realen und digital erzeugten Welten für den Anwender zunehmend verschwimmen lassen.
Dazu zählen beispielsweise virtuelle Umgebungen, die der Anwender durch Bewegungen oder akustische Signale aktiv und in Echtzeit beeinflussen kann – so wie bei einem Flugsimulator. Oder Augmented-Reality-Anwendungen, bei denen digitale Informationen in die reale Umgebung eines Betrachters eingeblendet werden und dadurch eine „erweiterte Realität“ entsteht.
Anwender verstärkt ins Boot holen
In Erweiterung zum ursprünglich eher technologiegetriebenen Konzept, öffnet sich das zehnte Heidelberger verstärkt auch der Anwenderseite: In zwei Programmblöcken, den sogenannten “Showcase-Sessions“, stellt ein Anwenderunternehmen seine Bedarfe sowie Produkt- und Entwicklungsstrategien vor. Anschließend präsentieren die Teilnehmer ihre Lösungen.
Auch die Kompetenzen und Fähigkeiten der Teilnehmer sollen weiterentwickelt werden. Dafür haben die Organisatoren neben der Stuttgarter Coaching-Expertin Tanja Fury auch erstmals den internationalen Berater Carlo Donzella engagiert. Als Vorbereitung auf die achtminütigen Präsentation erhalten die teilnehmenden Forscher und Unternehmer ein Coaching-Seminar. In individuellen Gruppen sollen sich die Referenten somit gezielt auf die professionelle Präsentation ihres Business-Plans vor Investoren vorbereiten.
Mit dem richtigen Handwerkszeug gerüstet, können Forscher und Entwickler den Herausforderungen der Gründungsfrühphase getrost entgegentreten.