Digitale Kunst im Mobilformat

Karlsruhe | 12.07.2017 | Gewinner der AppArtAwards 2017 im ZKM Karlsruhe ausgezeichnet. MFG stiftet den Preis für Game Art.
Die vier Trophäen 2017 gab es vier AppArtAward-Gewinner. (Bild: ZKM Karlsruhe / Micial Media)

Rund 70 Apps aus insgesamt 18 Ländern – der AppArtAward beweist nun auch im siebten Jahr seine internationale Präsenz und Akzeptanz als Wettbewerb für digitale Kunst durch die vielfältige, multinationale und renommierte Teilnehmerschaft. Die Preissponsoren CAS Software AG, MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft, SUNG IT Services GmbH & Co. KG, bigFM sowie das ZKM | Karlsruhe übergaben in diesem Jahr die Preise AppARTivism, Game Art und Sound Art, die jeweils mit 10.000 Euro dotiert sind.

Die Gewinner wurden am Freitag, 7. Juli 2017, im ZKM im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung ausgezeichnet. Die Ausschreibung richtete sich an Künstler, Gestalter und Entwickler aus aller Welt. Eine namhafte Jury, bestehend aus Prof. Carl Bergengruen (MFG Baden-Württemberg), David Hermanns (Cyberforum e.V.), Martin Hubschneider (CAS Software AG), Marcus Kollros (bigFM), Elisabeth Pich (ZKM | Karlsruhe), Fabian Schaub (Preisträger Art + Experience 2016), Marcus Sung (SUNG IT Services GmbH & Co. KG), Dominika Szope (ZKM | Karlsruhe) und Prof. Peter Weibel (ZKM | Karlsruhe), entschied über die besten Einreichungen im Bereich kreativer Applikationen.

Die Einreichungen für den diesjährigen AppArtAward kamen aus Australien, Belgien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, La Réunion (Indischer Ozean), Schweiz, Spanien, UK und USA. Die Jury zeigte sich begeistert von der Vielfalt und der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten, die sowohl hochaktuelle Themen aufgriffen als auch auf die Historie der technologischen Entwicklung rekurrierten. Der technische Fortschritt in der App-Produktion sei klar erkennbar, urteilte die Jury.

Gewinner des Game Art Awards 2017 auf der Bühne MFG-Geschäftsführer Bergengruen und Shelly Robin Alon mit Game Art Award (Bild: ZKM / Micial Media)

AppARTivism: Luftverschmutzung trifft Datenverschmutzung

Der Preis AppARTivism geht in diesem Jahr an David Colombini für die Web-Application für Android Polluted Selfie (2017). Polluted Selfie ist eine mit einem Sensor verbundene Web-Anwendung, mit der man ungewöhnliche „verunreinigte“ Selfies aufnehmen kann. Ein Filter verändert die Fotos in Abhängigkeit zu den Werten der im unmittelbaren Umfeld gemessenen Luftverschmutzung. Nutzer können zu Umweltaktivisten werden, indem sie ihre Bilder teilen und damit auf die Luftverschmutzung hinweisen. Durch die von Netzkunst, Glitch und Computerviren inspirierte Ästhetik wirft Polluted Selfie aber auch die Frage nach „digitaler Verschmutzung“ auf. Die Kunstanwendung wird von CAS Software AG mit einem Preis in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet.

Auszug aus dem Jury-Statement: „Das Ungewöhnliche der prämierten App besteht darin, dass der Narzissmus, zu dem die Menschen neigen, in ein produktives Gegenteil verwandelt wird (...) Aus der Sorge um sich selbst wird eine Sorge um das Soziale, eine Sorge um die Umwelt.“ Der Designer und Künstler David Colombini, geboren 1989 in der Schweiz, arbeitet in London.

Game Art: Retro spiegelt Realismus

Den Preis Game Art erhält Shelly Robin Alon für die iOS-/Android-/Windows-Applikation Glitchskier (2017). Glitchskier ist ein klassisches und herausforderndes „Shoot-Em-Up“- Spiel, in einer ästhetisch überraschenden Form. Es vereint smarte Programmierung mit dem Erscheinungsbild illegal heruntergeladener Software im Stil der letzten Jahrtausendwende. Diese virtuelle Rückkehr zu alten Designs und Strukturen ermöglicht eine Reflexion der zeitgenössischen Interaktion mit dem Smartphone oder Tablet. Ausgezeichnet wird die Applikation von der MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Auszug aus dem Jury-Statement: „Game Art ist die populärste Form der AppArt. Dieses klassische Genre wird hier durch eine sehr intelligente Programmierung upgedated – während das Erscheinungsbild eher retrograd ist (...) Aus dieser Kombination entstehen ein hoher ästhetischer Reiz und eine intellektuelle Reflexion des Genres.“ Der Kommunikationsdesigner Shelly Robin Alon, geboren 1991, lebt in Hamburg.

Klatschendes Publikum Volles Haus bei der Preisverleihung (Bild: ZKM Karlsruhe / Micial Media)

Sound Art: Wenn der User zum Komponisten wird

Der Preis Sound Art wurde gesplittet: Zwei Preisträger erhalten je ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. Mazetools Soniface (2017) von Jakob Gruhl und Stephan Kloß verbindet einen visuellen Synthesizer mit einem Groovesequenzer. Diese Software bietet die Möglichkeit, verschiedene elektronische Musikstile auf mobilen Endgeräten zu entwickeln. Die Kombination der Wortbestandteile „maze“ [Labyrinth] und „tools“ [Werkzeuge] verweist auf den gleichzeitig erkundenden und bewusst schöpferischen Gebrauch der App. Ausgezeichnet wird die Applikation mit einem Preisgeld von 5.000 Euro von bigFM.

Auszug aus dem Jury-Statement: „Diese App gibt dem User somit die Möglichkeit, verschiedene elektronische Musikstile auf seinem mobilen Endgerät herzustellen und zu entwickeln (..) Ein digitales „All-in-One“ Musikinstrument für unterwegs.” Der Kulturwissenschaftler und Toningenieur Jakob Gruhl (1986) und der Multimedia-Designer, Künstler und Programmierer Stephan Kloß (1985) arbeiten in Halle (Saale).

In seinem interaktiven Musikvideo Visual Beat (2017) lässt Max Mörtl die Rollen und Grenzen zwischen einem vermeintlich passiven Publikum und den aktiv gestaltenden Regisseuren und Musikern verschwimmen. Der Musikvideo-Baukasten von Visual Beat wurde von den Musikerinnen Mohna, Nutia, Clara und Dobré, für das Projekt gemeinsam komponiert. Die Kunstanwendung Visual Beat wird vom ZKM | Karlsruhe mit einem Preis in Höhe von 5.000 Euro ausgezeichnet.

Auszug aus dem Jury Statement: „Bisher waren die BetrachterInnen eines Musikvideos passiv, nun können sie selbst zu InstrumentalistInnen oder ArrangeurInnen werden, die die Musik und visuelle Gestaltung partizipatorisch prägen. Das Musikvideo wird zu einer Art Baukasten, mit dem eine enorme Vielfalt an Instrumenten, Klängen, Gesängen und Bildkombinationen möglich geworden ist.“ Max Mörtl, geboren 1984, studierte in Augsburg und Hamburg und ist als freiberuflicher Regisseur und Trickfilmer tätig.

Quelle: ZKM Karlsruhe
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App Art Award
Die Gewinner 2017