Die Nacht der digitalen Kreativ-Stars

31.10.2011 | DMMA OnlineStar an 26 herausragende Online-Projekte verliehen
Die aufgereihten Awards. Insgesamt 26 der begehrten DMMA OnlineStars wurden vergeben. (Bild: hektikproductions)

Rockig vertonte Tweets, kollaborative Kunstwerke im Internet und freche Recruiting-Kampagnen: Bei der Verleihung des DMMA OnlineStar in Berlin feierte das Publikum 26 herausragende Online-Projekte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. In einem kurzweiligen Kreativsprint von 90 Minuten wurden 17 Agenturen in 9 Kategorien geehrt.

Gemeinsam mit dem BVDW und der Verlagsgruppe Ebner Ulm hatte die MFG Innovationsagentur für IT und Medien Baden-Württemberg am 27. Oktober 2011 bereits zum zweiten Mal in die Berliner Kreativ- und Szenelocation Radialsystem V geladen. Nominees, Kreativagenturen und führende Köpfe der digitalen Wirtschaft kamen zusammen, um herausragende Werbung im Online-Bereich zu feiern. Eine „kurzweilige Veranstaltung“ versprachen das Moderatoren-Duo Johanna Klum und Florian Grimm, die den Abend in einen Kreativsprint verwandelten.

Bild von Florian Grimm und Johanna Klum mit den Gewinnern der Banner-Kampagne. v.l.:Florian Grimm und Johanna Klum mit den Gewinnern der Banner-Kampagne. (Bild: hektikproductions)

Kürzere Shortlist mit hoher Medaillenausbeute

Insgesamt hatten sich 130 Agenturen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem oder mehreren Onlineprojekten um die begehrten „DMMA OnlineStar“-Trophäen beworben. Besonders beliebt war die Kategorie Social Media: Mit allein 58 von insgesamt 279 Einreichungen lag Social Media an der Spitze der 9 ausgeschriebenen Kategorien, gefolgt von Microsites mit 40 Arbeiten sowie Corporate Websites mit 38 Arbeiten. In die finale Runde schickte die Wettbewerbsjury jedoch nur 22 Agenturen mit 35 Arbeiten.

Florian Grimm erklärte dem Publikum, dass unter anderem „höhere Maßstäbe bei der Vergabe der Auszeichnungen“ zu der nun deutlich kürzeren Shortlist im Vergleich zum Vorjahr geführt hätten. „Das ist auch ein Beweis dafür, dass ausschließlich die besten, innovativsten und kreativsten Online-Arbeiten die Jury überzeugen konnten. Und das sieht man auch an der verhältnismäßig hohen Medaillenausbeute“, so der Juryvorsitzende Grimm.

Goldregen für soziale Malerlebnisse mit Markern


Der digitale Highlighter von Edding
markiert Online-Texte farbig.

Über eine besonders große Ausbeute freute sich an diesem Abend die Agentur Kempertrautmann, die insgesamt sieben DMMA OnlineStars mit nach Hause nahm. Für die eingereichten Arbeiten des Kunden Edding erhielten die Hanseaten sogar zwei Mal eine Goldtrophäe. Zum einen für die Bookmarklet-Lösung „Digital Highlighter“: Damit können User interessante Textstellen im Internet wie mit einem echten Marker farbig hinterlegen. Die ausgewählten Passagen lassen sich anschließend wahlweise als PDF speichern, als E-Mail verschicken oder in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter teilen.

Zum anderen erhielt auch die „Wall of Fame“ eine Auszeichnung in Gold.  Auf der interaktiven Live-Zeichenfläche kann sich jeder in Echtzeit mit bis zu zehn Edding-Stiften verewigen. Dabei gilt die Regel: Wer zuerst kommt, malt auch zuerst – wer danach kommt, schaut erstmal zu, entdeckt oder teilt, was ihm gefällt, über soziale Netzwerke. So ließen eifrige Zeichner aus aller Welt in einem sozialen Malerlebnis  ein kollaboratives Werk entstehen.

Meisterliche Fußball- und Schatten-Spiele


Trailer zur goldgekrönten Kampagne
Meister vs. Meister.

Künstlerische Aspekte standen auch beim dritten Goldaward im Fokus: Um die filigranen Plastiken des japanischen Künstlers Moto Waganari am zweidimensionalen Computerbildschirm interaktiv erlebbar zu machen, ließ sich die Agentur Ogilvy Frankfurt etwas Besonderes einfallen. Auf der Microsite „Directing Shadows“ steuert der User mit einem Feuerzeug oder einem Handy-Display via Webcam das Licht, das auf die Skulpturen strahlt – und wird so zum Regisseur eines Licht-, Schatten- und Klangspiels.

Den letzten der insgesamt vier goldenen DMMA OnlineStars nahmen Scholz & Friends entgegen. Für ihren Kunden Mercedes-Benz Transporter hatten die Berliner Kreativen die Kampagne „Meister vs. Meister“ entwickelt, um die Zielgruppe – deutsche Handwerker – stärker für die Marke zu emotionalisieren. Die Idee:  Handwerksmeister konnten sich mit ihren Betrieben für ein Spiel gegen eine Auswahl legendärer Fußballwelt- und Europameister wie Horst Eckel, Sepp Maier oder Andreas Brehme bewerben – quasi im Duell Meister gegen Meister.

Screenshot des "Schießen-Banners" Der "Schießen-Banner" soll schockieren und wachrütteln. (Bild: Jung von Matt/Neckar)

Stuttgarter Kreative schockieren und triumphieren

Jung von Matt/Neckar ergatterten an diesem Abend gleich zwei Auszeichnungen in Bronze: Zum einen punktete die Agentur in der Kategorie Banner-Kampagne mit dem "Schießen-Banner". Für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hatten die Stuttgarter Kreativen zum Tag der Menschenrechte einen Pop-up-Banner geschaltet, auf dem ein Gefangener zu sehen war. User, die gewohnheitsmäßig das rote Kreuzchen mit "Schließen" klicken wollten, übersahen schnell, dass dort stattdessen "Schießen" geschrieben stand und ihr Handeln tödliche virtuelle Schüsse nach sich zog.

Weniger schockierend, dafür umso frecher verdienten sich die Stuttgarter den zweiten Bronze-Award mit der Mobile-Kampagne "Erster!": Mithilfe eines technischen Tricks kaperte Jung von Matt/Neckar noch vor dem offiziellen Deutschlandstart die virtuellen Präsenzen anderer Agenturen auf Facebook Places. Dabei hinterlegten sie im Beschreibungstext der Agenturstandorte ihrer Wettbewerber folgende Botschaft: "Erster! Wärt ihr auch gern? Dann checkt ein bei www.jvm-neckar.de/jobs, wir suchen neue Köpfe.“ Kunden und Mitarbeiter der gekapterten Präsenzen verbreiteten die Botschaft automatisch mit jedem Check-In in ihren Netzwerken. Mit über 2.000 Tweets und Re-Tweets in den ersten drei Tagen verbreitete sich die Aktion im Social Web wie ein Lauffeuer.


Ein Making Of zeigt, wie die
Tweetlieder entstanden sind

Bakkushan aus Mannheim vertont 64 Tweet-Lieder

Wie man 140-Zeichen-Tweets in kurze Lieder verwandelt, stellte die Mannheimer Rockband „Bakkushan“ eindrucksvoll unter Beweis. Für die Social-Media-Kampagne „Mein Tweet als Lied. Mit Vodafone.“ hatten die vier Jungs im Auftrag der Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH insgesamt 64 Lieder in 11 Stunden vertont. Die Liedtexte lieferte die Internetgemeinde unter dem Hashtag #tweetlied. Per Livestream konnte jeder den Freestyle-Kreativ-Prozess der Band mit verfolgen. Aus jedem vertonten Tweet wurde ein kurzes Musikvideo produziert, das direkt auf YouTube geladen wurde. An die Urheber verschickte Vodafone dann via @reply ein Dankeschön mit einem Link zu dem persönlichen Song.

Eine Fotogalerie und ausführliche Übersicht aller Preisträger gibt es hier. Zudem werden alle Gewinner sowie nominierten Arbeiten im DMMA OnlineStar Jahrbuch „Interaktive Trends 2011/2012" dokumentiert, das noch im Dezember erscheint.

Autorin: Aline Schmid