Nachwuchs für die Buchwelt begeistern

Stuttgart | 23.03.2017 | Was die Young Professionals in der Verlagsbranche bewegt und wie man sie anspricht
Bücherwand mit Tür Wie öffnet man dem Nachwuchs das Tor in die Verlagswelt? (Bild: Pixabay / ninocare)

Der Buchmarkt verändert sich und mit ihm Buchhandel und Verlage. Auf der einen Seite stehen Konsolidierungen und Monopolbildungen, auf der anderen Divergenz in Produktentwicklung, Kommunikation und Marketing, aber auch neue Geschäftsmodelle. Dazwischen stellt sich die Frage nach dem richtigen Innovationsmanagement – gerade in kleineren Verlagen geht es damit um Professionalisierung und Fachkräfte.
 
Am 16. März 2017 war everlab, das regionale Innovationslabor für Verlagsprodukte und Mediendienstleistungen, bei der MFG Medien- und Filmgesellschaft zu Gast. Bei der Podiumsdiskussion Young Professionals in der Verlagsbranche ging es darum, wie Absolventen gewonnen werden können und welche Einstiegsmöglichkeiten Verlage vor dem Hintergrund ihrer crossmedialen Neuorientierung anbieten können.

Zwei der Speaker – Monika Kolb, Geschäftsführerin Mediacampus Frankfurt a.M. und Albrecht Franz, Mitglied der Städtegruppenleitung Stuttgart der Jungen Verlagsmenschen – haben der MFG-Redaktion Rede und Antwort gestanden:

Monika Kolb im Porträt Monika Kolb kennt sich aus mit Fachkräften für die Buchbranche. (Bild: Mediacampus Frankfurt)

Was ist die gegenwärtig größte Herausforderung für Verlage?

Monika Kolb: Verlage haben gegenwärtig sehr viele Herausforderungen. Die Erfahrung zeigt, dass der Kunde, um den es am Ende immer geht, nicht alle technischen Möglichkeiten nutzt, die möglich wären. Vielmehr gibt es vielfältige und hochindividualisierte Kundenwünsche. Dabei gilt es, unter betriebswirtschaftlich sinnvollen und kundenorientierten Kriterien Prozesse, Formate und Kommunikationsarten neu zu denken und aufzusetzen.

Veränderungen sind nie einfach. Sie lösen bei Mitarbeitenden zunächst Angst und Abwehr aus, erst später folgt die Adaption. Den Verlagen muss es gelingen, alte und neue Mitarbeitende gleichermaßen zu überzeugen. Personalentwicklung und Recruiting gehören daher ebenfalls zu den ganz großen Herausforderungen. Aufgrund der demografischen Situation haben auch die Verlage Probleme, geeignete Fach- und Führungspersonen zu finden, die vor allem den gegenwärtigen Anforderungen gerecht werden.

Albrecht Franz: An motiviertem Nachwuchs scheint es mir eher nicht zu mangeln – aber in Zeiten eines guten Arbeitsmarkts braucht es neue Angebote, um ihn auch langfristig zu binden.

Offenes Buch mit Fantasielandschaft Bücher sind oft Herzensangelegenheit. (Bild: Pixabay / Mystic Art Design)

Was bewegt Absolventen, die in die Verlagsbranche einsteigen wollen?

Albrecht Franz: Viele unserer Mitglieder suchen Orientierung beim Berufseinstieg: Welche Bereiche sind besonders interessant, welche Arbeitsbedingungen sind angemessen? Aber vor allem möchten sie auch andere „Junge Verlagsmenschen“ aus anderen Unternehmen und Bereichen kennen lernen und sich vernetzen.

Monika Kolb
: Nach wie vor ist die Verlagsbranche eine sehr attraktive Branche für junge Menschen. Es geht um ein wunderbares Produkt, das einen hohen gesellschaftlichen Wert mit sich bringt. Die Menschen in der Buchbranche sind innovativ und diskussionsfreudig und zudem sehr oft bereit, sich außerordentlich stark für ihren Beruf einzusetzen. Viele junge Menschen entscheiden sich für die Buchwelt, um etwas Gutes und Sinnvolles zu tun. Schaut man sich unterschiedliche und branchenübergreifende Nachwuchsanalysen an, geht es den Nachwuchskräften vor allem darum:

  • intellektuell herausgefordert zu sein
  • unternehmerisch oder kreativ zu sein
  • sich dem Gemeinwohl zu widmen oder das Gefühl zu haben, dem öffentlichen Wohl zu dienen
  • in einem positiven und kreativen Umfeld zu arbeiten
Buch und Smartphone In der Buchbranche ist heute auch technische Affinität gefragt. (Bild: Pixabay / Dariusz Sankowski)

Was müssen die jungen Leute mitbringen, um Erfolg zu haben?

Monika Kolb: Junge Menschen, die in unserer Branche arbeiten, bringen idealerweise eine hohe Leidenschaft und Begeisterung für ihre Arbeit und das zu Bewegende mit. Dazu braucht es eine fundierte Ausbildung in unterschiedlichen Bereichen und natürlich ist ein hohes kaufmännisches und medientechnisches Verständnis Voraussetzung. Neben der Kreativität sind diese beiden Faktoren in der Qualifikationskaskade führend.

Albrecht Franz: Wichtig ist vor allem: Früh Berufserfahrung sammeln, um zu wissen, in welchen Bereich es gehen soll. Hilfreich ist angesichts zunehmend digitaler Produkte und Vertriebswege sicherlich auch eine IT-Affinität. Und natürlich sollte man nicht einfach auf die Wunschposition warten, sondern sich frühzeitig über die eigenen Karriereoptionen Gedanken machen.

Was können gerade auch kleinere Verlage tun, um für den Nachwuchs interessant zu sein?

Albrecht Franz: Entscheidend ist es, die Erwartungen der Berufseinsteiger ernst zu nehmen: Motivation und Leidenschaft entsteht dort, wo die eigenen Ziele mit denen des Unternehmens zusammengebracht werden können.

Monika Kolb: Kleinere Verlage haben sehr viel zu bieten, um engagierten Nachwuchs zu begeistern. Die Arbeit ist vielseitig und endet nicht an Abteilungsgrenzen. Jeder muss die Prozesse des anderen verstehen, die Dinge gehen stärker Hand in Hand. Junge Menschen können in kleineren Verlagen dadurch schneller zur Verantwortung und zum selbstbestimmten Arbeiten kommen. Dies können gerade kleinere Unternehmen in den Fokus ihrer Kommunikation und Karriereentwicklung stellen.

Balance über dem Abgrund Mut ist entscheidend für Innovationsmanegement (Bild: Pixabay / Alexa_Fotos)

Was bedeutet für Sie Innovationsmanagement?

Monika Kolb: Innovationsmanagement bedeutet für mich, aus der Gegenwart heraus immer den Blick nach vorne zu richten, regelmäßiges Reflektieren und vor allem den Mut zu haben, Neues und Innovatives in die Gegenwart zu adaptieren. Innovationsmanagement funktioniert nur dann, wenn wir immer einen kleinen Zentimeter vor den anderen Playern Themen erfahren und den Mut mitbringen, daraus Produkte, Prozesse, Kommunikationen zu etablieren. Innovationsmanagement heißt für mich auch, den Mut zu haben, aus Fehlern zu lernen.

Albrecht Franz: Innovationsmanagement heißt, die Freiräume dafür zu schaffen, dass innovative Ideen entstehen – und den Mut, Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit diese auch weiterverfolgt werden können.

Interview: Ines Goldberg
Mehr Infos:

everlab
Mediacampus Frankfurt
Junge Verlagsmenschen