400 Digitalisierungs-Professuren in Baden-Württemberg seit 2012

Stuttgart | 14.09.2017 | Besonders der Wissenschaftssektor bringt das Land in seiner Digitalisierung voran
Wissenschaft gestaltet Digitalisierung Professuren auf den digitalen Wandel ausrichten (Bild: Pixabay/ulrichw)

Die Digitalisierung ist ein zentrales Thema der baden-württembergischen Landesregierung,
die Ende Juli die Digitalisierungsstrategie digital@bw beschlossen
hat. Bis 2021 investiert das Land rund eine Milliarde Euro in die Digitalisierung.
Baden-Württemberg soll so zur digitalen Leitregion werden. Der Wissenschaftsbereich
geht voran und gestaltet die Digitalisierung, wie eine aktuelle Erhebung
des Wissenschaftsministeriums an allen Hochschulen in Baden-Württemberg
zeigt. Erfasst wurde die Zahl der neu eingerichteten oder umgewidmeten
Professuren im Bereich Digitalisierung oder mit Schwerpunkt Digitalisierung seit
2012.

Hochschulen gestalten Digitalisierung mit

„Rund 400 Professuren im Bereich Digitalisierung wurden in den vergangenen
fünf Jahren in Baden-Württemberg besetzt. Das zeigt: Unsere Hochschulen
nehmen die Digitalisierung ernst und gestalten diese aktiv mit“, teilte Wissenschaftsministerin
Theresia Bauer am Mittwoch, 13. September in Stuttgart mit.
Die Digitalisierungsstrategie des Landes werde hier noch einen weiteren Schub
bringen. „Und das ist richtig so: Wir brauchen die klugen Köpfe an unseren
Hochschulen, um die Chancen und Potenziale der Digitalisierung zu nutzen, aber
auch Fehlentwicklungen zu erkennen. Dafür muss das Themenfeld flächendeckend
und fächerübergreifend an den Hochschulen in Forschung und Lehre
verankert sein“, so Bauer weiter.

Die umfassende Verankerung der Digitalisierung werde neben Investitionen in
die Infrastruktur auch durch die konsequente Ausrichtung dauerhafter
Professuren auf den digitalen Wandel
erreicht – „wie es unsere Hochschulen in
den letzten Jahren gezeigt haben“, sagte die Ministerin. Das Land habe mit den
Spielräumen für neues Personal durch den Hochschulfinanzierungsvertrag sowie
in den Hochschul-Ausbauprogrammen im Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft
frühzeitig einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung gesetzt. „Wir haben den
Ausbau der Studienplätze zielgerichtet genutzt, um dieses Zukunftsfeld zu
stärken“, betonte Bauer.

Digitalisierung muss studienfachübergreifend sein

Für das Gestalten der Digitalisierung sei entscheidend, dass Hochschulen in
allen Studienfächern Professuren mit einem Schwerpunkt im Bereich des
digitalen Wandels einrichten. „Digitalisierung betrifft nicht nur die Informatik. Sie
umfasst alle Bereiche unserer Gesellschaft und verändert folglich alle Studienfächer.
Deshalb muss sie auch an den Hochschulen in allen Fachbereichen
verankert werden“, betonte Bauer.

Digitalisierungsstrategie bringt zusätzlichen Schub

Einen zusätzlichen Schub erwartet die Ministerin von der vor kurzem beschlossenen
Digitalisierungsstrategie des Landes, die wesentliche Investitionen im
Bereich Wissenschaft vorsieht. „Die Hochschulen gehen bei der Digitalisierung
eigenständig voran. Schließlich ist die Digitalisierung selbst zu großen Teilen ein
Produkt wissenschaftlicher Neugier
. Als Land leisten wir in besonders innovativen
Feldern zusätzliche Unterstützung, wie zum Beispiel bei den intelligenten
Systemen oder der personalisierten Medizin. So erhöhen wir das Tempo in
wichtigen Innovationsfeldern zusätzlich“, sagte Ministerin Bauer abschließend.

Anzahl und Einrichtung der Professuren

Zwei Drittel der Digitalisierungs-Professuren wurden neu geschaffen – finanziert
durch den Hochschulfinanzierungsvertrag „Perspektive 2020“, die
Ausbauprogramme Hochschule 2012 und Master 2016 oder durch andere
Drittmittelfinanzierung wie zum Beispiel Stiftungsprofessuren, ein Drittel ist
durch die Umwidmung vorhandener Professuren entstanden.

Anzahl der Professuren im Bereich Digitalisierung oder mit
Digitalisierungs-Schwerpunkt nach Hochschulart:

  • Universitäten: 132 Professuren
  • Medizinische Fakultäten: 24 Professuren
  • Pädagogische Hochschulen: 5 Professuren
  • Kunst-/Musikhochschulen: 12 Professuren
  • Hochschulen für Angewandte Wissenschaft (HAW): 221 Professuren

Die Digitalisierungs-Professuren im Einzelnen

Eine Auswahl der Digitalisierungs-Professuren in Baden-Württemberg nach Studienbereich:

Medizin

  • Medizinische Bioinformatik (Medizinische Fakultät der Universität Freiburg)
  • Medizininformatik in der translationalen Onkologie (Medizinische Fakultät der
  • Universität Heidelberg)
  • Komplexe Datenverarbeitung in der Epidemiologie (Medizinische Fakultät
  • Mannheim der Universität Heidelberg)
  • Klinische Genomdatenanalyse (Medizinische Fakultät der Universität Tübingen)

Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik, Energietechnik

  • Gesundheitsinformatik mit Schwerpunkt Medizinische Informatik, u.a. Telemedizin und eHealth, Consumer Health und Ambient Assisted Living (Hochschule Konstanz)
  • Medizininformatik, insbes. Informationssysteme im Gesundheitswesen (Hochschule Reutlingen)
  • Interaktionstechnologien für Robotersysteme, Mensch-Computer-Interaktion (Hochschule Heilbronn)
  • Autonome lernende Roboter (Karlsruher Institut für Technologie)
  • Autonomes Fahren (Hochschule Ravensburg-Weingarten)
  • Informationssysteme im Bereich der Mobilität (Hochschule Esslingen)
  • Digital Vernetzte Mobilitätssysteme (Universität Ulm)
  • Sensorik, angewandte Physik und Fahrzeugsystemtechnik (Hochschule Konstanz)
  • Internet der Dinge (Hochschule Aalen, Hochschule Schwäbisch-Gmünd)
  • Augmented Reality und Virtual Reality (Universität Stuttgart)
  • Angewandte Informatik für Energiesysteme (Karlsruher Institut für Technologie)
  • Energiesystemanalyse (Universität Stuttgart)
  • Computergrafik und Gestaltung interaktiver Medien (Hochschule Offenburg)
  • Big Data and Cloud Computing (Hochschule Mannheim)
  • Digitale Medien, insbes. User Interface Design / Screendesign (Hochschule Furtwangen)
  • Digitale Phonetik (Universität Stuttgart)
  • Musikdesign (Hochschule Furtwangen)
  • IT-Sicherheit (Hochschule Esslingen, Karlsruher Institut für Technologie)

Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Informatik und
Psychologie

  • Digitalisierung der Arbeitswelt (Hochschule Nürtingen-Geislingen)
  • Komplexe Systeme in Automation und Robotik (Universität Hohenheim)
  • Wirtschaftsinformatik / Enterprise Data Analysis (Universität Mannheim)
  • Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Digital Business (Hochschule Pforzheim)
  • Data Science (Hochschule Aalen, Universität Mannheim)
  • Lernende Systeme (Universität Ulm)
  • Künstliche Intelligenz (Universität Ulm)
  • Methoden für intensive Daten in der Psychologie (Universität Konstanz)

Geistes-, Sozial-, Erziehungs-, Musik- und Medienwissenschaften

  • Medienwissenschaft mit Schwerpunkt mediale Teilhabe in digitalen Kulturen (Universität Konstanz)
  • Digitale Kommunikation (Universität Mannheim)
  • Social Science Data Collection and Analysis (Universität Konstanz)
  • Digitale Medienproduktion (Hochschule der Medien, Stuttgart)
  • Game Development (Hochschule der Medien, Stuttgart)
  • Music for Film, Theatre, Games and other Media (Hochschule für Musik Karlsruhe)
  • Digitale Medienkomposition (Musikhochschule Trossingen)
  • Deutsch als Fremdsprache mit Schwerpunkt IT-Medien im „Deutsch als Fremdsprache“-Unterricht (Pädagogische Hochschule Heidelberg)
  • Erziehungswissenschaft mit medienpädagogischem Profil (Pädagogische Hochschule Weingarten)

Naturwissenschaften, Geographie, Agrarwissenschaft, Bauwissenschaft

  • Computational Nano-Science (Universität Tübingen)
  • Datenassimilation im Erdsystem (Universität Hohenheim)
  • Geoinformatik und 3D-Geodatenverarbeitung (Universität Heidelberg)
  • Physische Geographie/Schwerpunkt Geographische Informationssysteme (Universität Tübingen)
  • Bauinformatik, Digitales Planen und Bauen (Hochschule für Technik Stuttgart)
  • Digitalisierung von Bauprozessen (Universität Stuttgart)

Rechtswissenschaft

  • Deutsches und Europäisches Straf- und Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Computerstrafrecht (Universität Tübingen)
  • Öffentliches Recht, insbesondere öffentliches Informationsrecht, Datenschutzrecht und Regulierungsrecht (Karlsruher Institut für Technologie)
  • Strafrecht mit internationaler Ausrichtung, Schwerpunkt: IT- und Medienstrafrecht (Universität Konstanz)
Quelle: Landeswissenschaftsministerium
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