Die Gewinner des Deutschen Radiopreises 2017 stehen fest

Hamburg | 12.09.2017 | Herausragende Radiomacher wurden in elf Kategorien ausgezeichnet
Der Deutsche Radiopreis ist die wichtigste Auszeichnung für Radiomacher in Deutschland Henriette Fee Grützner hat den Preis „Bester Newcomer“ gewonnen (Bild: DRP/Morris Mac Matzen)

Die Gewinner des Deutschen Radiopreises stehen fest. Am 7. September wurden in der Hamburger Elbphilharmonie die herausragenden Radiomacher sowie Hörfunkproduktionen des Jahres 2017 in elf Kategorien ausgezeichnet. 127 Programme hatten sich mit insgesamt 381 Einreichungen am Wettbewerb beteiligt. Für den musikalischen Rahmen der Gala sorgten Stars wie Benny Andersson, Peter Maffay, Nigel Kennedy, Beth Ditto, Anne-Marie, Johannes Oerding, Wincent Weiss, Adel Tawil und Musiker der NDR Radiophilharmonie. Prominente Laudatorinnen und Laudatoren wie unter anderem Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, Schauspieler Jan Josef Liefers, Moderator Günther Jauch und das Model Toni Garrn übergaben die Preise an die Gewinner, die eine unabhängige Jury des Grimme-Instituts ausgewählt hatte.

Die Gewinner der elf Wettbewerbskategorien

Die elf Preisträger 2017 mit den Begründungen der Jury:

Beste Comedy

HIT RADIO FFH
„Comedykeller“
Dirk Haberkorn und Boris Meinzer

Tief unten in den Kellern des Funkhauses, da wo die Sonne nie hinkommt, arbeiten Dirk Haberkorn und Boris Meinzer im FFH-Comedykeller tagesaktuelle Bestellungen der Moderatoren ab: „Du, Dirk, der Johannes Scherer braucht noch 'nen Gag zum Thema Brexit.“ In diesem ‚Making-Off‘ überbieten sich die beiden Comedy-Redakteure mit Punchlines – mit ansteckendem Spaß am abgedrehten Wortspiel und einem außergewöhnlich guten Gespür für Timing. Jede einzelne Folge wirkt für sich, als täglicher Running Gag entwickelt die Serie Sucht-Charakter. Der FFH-Comedykeller – ein überzeugendes Konzept, kreativ getextet und hervorragend performt und produziert.

Beste Innovation

Radio Gong 96.3 München
„Das Gong 96.3 S-Bahn Casting. Deine zwei Stationen Ruhm“
Johannes Ott und Matthias Ulrich


Musik-Casting-Shows finden zumeist im Fernsehen statt und sind im Radio eher selten anzutreffen. Mit dem Radioformat „Zwei Stationen Ruhm“ von Gong 96.3 wird die S-Bahn zur spontanen Bühne für Münchener Musiktalente und die Fahrgäste zur härtesten Jury der Welt. Durch die Online-Verlinkung der Aktion entstehen tolle Videos von den Auftritten und Reaktionen der Fahrgäste. Die Hörer können ihre Stimme für den besten musikalischen Beitrag abgeben. Der gekonnte Mix aus Vor-Ort-Aktion, Hörernähe und Verbreitung über soziale Netzwerke macht aus dieser abgefahrenen Idee eine echte Innovation in der Radiolandschaft und damit eine preiswürdige Leistung in der Kategorie „Beste Innovation“.

Bestes Interview

Bayern 1
„Die Blaue Couch“
Gabi Fischer und Manuela Brenzinger


Sonntagsgespräche gibt es in der deutschen Radiolandschaft viele. Die Jury zeichnet mit der Blauen Couch ein außergewöhnlich gelungenes Beispiel aus. Der Moderatorin Gabi Fischer gelingt es in diesen zwei Mittagsstunden auf Bayern 1, ihrem Gast, dem TV-Moderator Rudi Cerne, nahe zu kommen, ohne ihm zu nahe zu treten und zu unterhalten, ohne auch nur eine Minute oberflächlich zu werden. Dieses Gespräch ist Anschauungsmaterial für jeden angehenden Radiojournalisten.

Bester Moderator

Wolfgang Leikermoser
ANTENNE BAYERN
„Guten Morgen Bayern“

Moderation ist nicht nur plumpes Sprechen. Moderation ist Verständnis, Redegewandtheit, Improvisationstalent, Teamfähigkeit, Humor, Schlagfertigkeit und natürlich auch Persönlichkeit. Das alles und noch viel mehr bündelt unser diesjähriger Preisträger in der Kategorie: Bester Moderator. Er ist mutig und unterhaltsam. Er ist kritisch und selbstkritisch. Er nimmt die Hörer mit und spricht nicht in Rätseln. Seine Sprüche sind legendär und seine Sendungen unvergessen. Und das auf einem permanent beständig hohem Niveau. Er ist nie langweilig, anbiedernd oder gar unverschämt.

Beste Moderatorin

Gerlinde Jänicke
94,3 rs2
„Gerlinde Jänicke and friends“

Von Gerlinde Jänicke lässt man sich auch morgens um fünf Uhr gerne wecken. An ihr kommt so leicht kein Berliner vorbei, denn sie macht seit mittlerweile 25 Jahren Radio und das nach wie vor mit unglaublich viel Spaß. Sie ist schlagfertig, mitfühlend, aber auch ernst und nachdenklich. Dabei nimmt sie selten ein Blatt vor den Mund und ist auch mal bereit, jede Radioregel zu ignorieren, wenn eine Sendung so für ihre Hörer interessanter wird.

Beste Morgensendung

Radio Hamburg
„Mission Aufstehen! Die Radio Hamburg Morningshow“
John Ment und Birgit Hahn

Unterhaltsame Höreraktionen, professionell aufbereitete Informationen aus Deutschland, der Welt und Hamburg. Dazu bunte Alltags-Themen – präsentiert von drei unterschiedlichen Charakteren, deren gute Stimmung Morgen für Morgen ansteckt. Die „Radio Hamburg – Morningshow“, das sind Birgit Hahn, John Ment und Staupilot André. Die Auszeichnung Beste Morgensendung spiegelt auch die Nutzung der Hamburger wider: die Morningshow von Radio Hamburg ist seit Jahren die meistgehörte Morgensendung der Hansestadt. Wir finden mit Recht.

Beste Sendung

radioeins (rbb)
„radioeins Radio Show“
Britta Steffenhagen und Alina Faltermayr


Wenn „Live“ und „Event“ die medialen Erfolgsfaktoren im Zeitalter der Digitalisierung sind, dann trifft der Preisträger ins Schwarze. Radio unplugged, ganz ohne Computer und vorproduziertes Material. Viermal im Jahr bricht radioeins mit der „Radio Show“ aus der Routine aus und huldigt der guten alten Zeit. Dass das nicht nostalgisch, sondern modern daherkommt, liegt an der Akribie, mit der jeder Bestandteil hand- und mundgemacht wird. Wenn Britta Steffenhagen, Magnus von Keil und der Minibeatclub in den Heimathafen Neukölln laden, überträgt sich die positiv aufgeladene Atmosphäre auf eine Zielgruppe, die vom Radio mehr erwartet als formatierte Berechenbarkeit.

Bester Newcomer

Henriette Fee Grützner
RADIO PSR
„RADIO PSR deckt auf: Unglaubliche Geschichten aus Sachsen“


Persönlichkeit, schauspielerisches Talent und Können, Einfühlungsvermögen, eine wohlklingende Stimme und eine gehörige Portion Neugier für skurrile Geschichten aus Sachsen – Henriette Fee Grützner bringt alles mit, was sich Programmchefs von einem Nachwuchstalent erwarten. Im Radio kann sie ihr vielseitiges Talent täglich zur Schau stellen, egal ob als Entertainerin oder investigative Journalistin. Was ihre Kollegen besonders an ihr schätzen: „Sie probiert sich leidenschaftlich gern in allen Bereichen und medialen Kanälen aus und das kann sich hören lassen.“ Davon hat sie auch die Jury vollends überzeugt.

Beste Programmaktion

N-JOY (NDR)
„Kopf hoch. Das Handy kann warten“
Melanie Fuchs und Philipp Goewe


„Kopf hoch. Das Handy kann warten“, so heißt eine großartige Aktion von N-JOY, die seit fast zwei Jahren den Fokus auf dieses so wichtige Thema lenkt und dabei nichts an Aktualität verloren hat. Berichte von Augenzeugen und Betroffenen berühren und schockieren. So wird für jeden nachvollziehbar, wie gefährlich die Benutzung des Handys am Steuer wirklich ist. Durch die Verbreitung über die sozialen Netzwerke erfährt diese tolle Aktion eine Bekanntheit auch weit über das Sendegebiet hinaus. „Kopf hoch. Das Handy kann warten“ ist interaktiv, crossmedial und macht die Hörer selbst zu einem Bestandteil dieser einzigartigen, extrem wichtigen Programmaktion.

Beste Reportage

MDR KULTUR
„Gedoptes Gold – Wie aus Heidi Andreas wurde“
Susann Krieger

Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften im Sommer 1986 holt die DDR-Sportlerin Heidi Krieger die Goldmedaille im Kugelstoßen. Heute gibt es Heidi Krieger nicht mehr. Die Europameisterin hat sich entschieden, als Mann weiterzuleben. Aus Heidi wird Andreas Krieger. Die Reportage zeichnet sensibel den Leidensweg nach. Erst nach der Wende erfährt Krieger, dass er mit sogenannten unterstützenden Mitteln gedopt wurde. Der Autorin gelingt es, die Geschichte des systematischen Dopings im DDR-Sport mit ihrer ganz persönlichen Perspektive zu verbinden, denn Susann Krieger ist die Schwester von Andreas. Trotzdem wahrt sie die journalistische Distanz. Eine glänzend gemachte Reportage.

Bestes Nachrichten- und Informationsformat

R.SH
„Politik am Sonntag“
Carsten Kock


Politikmagazine, die die Ereignisse der vergangenen Woche Revue passieren lassen, gibt es in Hülle und Fülle. Hier haben wir es mit einer fast perfekten Sendung zu tun, die von einem kompetenten, freundlich, aber zäh nachfragenden und hörernah präsentierenden Macher lebt. Ein Vorbild – präsentiert von einem landesweiten Privatsender.

Gala war bundesweit im Radio zu hören

Barbara Schöneberger moderierte die Gala in der Elbphilharmonie in Hamburg. 62 öffentlich-rechtliche und private Radiosender in ganz Deutschland übertrugen die Show live. Im Internet lief die Verleihung als Livestream auf deutscher-radiopreis.de. Elke Wiswedel (NDR 2) und Florian Weiss (ANTENNE BAYERN) kommentierten das Geschehen für die Radiohörer. Die Aufzeichnung ist zudem zeitversetzt in allen Dritten Fernsehprogrammen der ARD zu sehen.

Stifter des Deutschen Radiopreises sind die Hörfunkprogramme der ARD, Deutschlandradio und die Privatradios in Deutschland. Zu den Kooperationspartnern zählen das Grimme-Institut, die Freie und Hansestadt Hamburg, die Radiozentrale – eine gemeinsame Plattform privater und öffentlich-rechtlicher Sender zur Stärkung des Hörfunks – sowie die Radio-Vermarkter AS&S Radio und RMS. Die Federführung liegt beim Norddeutschen Rundfunk.

Quelle: Deutscher Radiopreis
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